Heute traf ich im Flur der schule einen kleinen Knirps, der noch Überreste eines blauen Auges aufwies. Ich fragte ihn erschrocken, sag mal, was ist denn los? Er schaute mich an und meinte, ich bin sauer. Als ich ihn fragte warum, sagte er, weil er Zähne putzen müsse. Nach einem kleinen Exkurs zum Thema Zähneputzen, lenkte er ein (na gut). Ich habe mich nicht nach dem Auge zu fragen getraut. Eines kriegt man jedenfalls mit, das Leben ist kein Zuckerschlecken für Kinder. Als Schwächste der Gesellschaft sind sie Allem ausgesetzt. Gewalt, Armut (ob das zusammenhängt?!) nehmen zu. Besonders Kinder sind betroffen. Keine ausreichende und gesunde Ernährung, kein Geld für Freizeit, Bildung, Kultur, Sport. Das ist himmelschreiend. Die Kinder müssen es hinnehmen, ertragen es. Es ist Kinderalltag. Dieser Missbrauch wird nicht thematisiert. Wenn ich die kleinen Wesen sehe, dann hoffe ich, dass sie in meinen Projekten für eine kleine Weile Spaß haben, sich ausprobieren können. Die Kinder leben im Moment und es ist schön ihnen dabei zu zuschauen. Und ich bin gerne mit ihnen zusammen und entdecke mit ihnen die Welt neu. Ich finde, wir müssten viel mehr für Kinder tun, für ihre Bildung und ihre Umwelt. Für mich besteht ein Teil meiner künstlerischen Arbeit darin, Aspekte der Kunst weiterzugeben (wie auch, sich politisch für eine Alternative zu engagieren). Für mich ist Kunst etwas sehr lebenspraktisches und lebensnotwendiges.
Die immensen gesellschaftlichen Probleme können von den Schulen trotz großen Einsatzes der PädagogInnen nicht kompensiert werden. Viele SchülerInnen haben kaum Geld für eigene Farben und Papiere oder für ihren Freizeitbedarf. Die Entwicklung wird ihnen so schwer gemacht wie möglich. Daher kann ich das Gelaber von „bildungsfernen“ Schichten nicht ab (übrigens meinte eine Lehrerin neulich, die von der Bildung ferngehaltene Schicht; stimmt, die sog. “Elite” will Geld und Macht unter sich verteilen, siehe auch Hamburger Schulstreit; was haben wir der sog. “Elite” nicht alles zu verdanken, Spekulantengeschäfte, Medienverdummung, Militarisierung, Umweltverschmutzung, Lebensmittelskandale, Armut und Aubeutung undsoweiter). Ich würde von einer gesellschaftlichen Behinderung sprechen. Und es gibt Verantwortliche. Das ist sind PolitikerInnen für die soziale Aspekte, Bildung und Kultur nur zu reduzierende Kostenfaktoren sind, sowie all diejenigen, die sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, die die Umwelt verschmutzen, Menschen ausbeuten, diejenigen, denen es nur ums Geschäft geht und darum die Menschen mit ihren (medialen) Produkten zu verdummen.
Stehen wir am Anfang oder am Ende dieser Entwicklung? Zu hoffen bleibt letzteres.
Schlagworte: Förderschule, Kinder, Prekär