vor dem Cubix am Alex anlässlich des Streiks der Kinobeschäftigten im Cubix. Die streiken nämlich an diesem Abend um einen Haustarifvertrag, deren Verhandlung der Arbeitgeber bisher verweigert.
“Mir reichts.” “Ich weiss gar nicht, warum ich noch arbeite.” “Ich bin mehr wert”,
sagen die Schauspielerin, die Drehbuchautorin, der Tonmann und der Filmvorführer in den Clips. Sätze, die viele sagen würden, auch in anderen Branchen.
Warum arbeiten wir noch?
Das frage ich mich immer öfter. Denn immer öfter sind die Arbeitsbedingungen unzumutbar: vielerorts ohne Mindestlohn, mit sehr niedrigen Honoraren in Kunst, Kultur und Medien, ohne soziale Standards, d.h. ohne wirkliche Ansprüche in der Arbeitslosenversicherung aufbauen zu können, mit Aussicht auf Niedrigstrenten, auch die Vergütungen aus dem Urheberrecht werden deutlich weniger, u. A. weil Produzenten das eigentlich urheberrechtliche fragliche Buyout anwenden und der Verband der Gerätehersteller, die Bitkom, sich weigert allgemeingültige Vergütungsregeln aufzustellen und um Zeit zu schinden, was sich bei den Millionenbeträgen auf jeden Fall rechnet, für jeden Gerätetyp extra verhandelt. Arbeit findet immer mehr in rechtsfreien Räumen statt. Arbeit ist ein Risikofaktor geworden.
An die verschiedenen ver.di Kampagnen „Wir sind mehr wert“ entstand der Spot des Filmverbands, der sich den Arbeitsbedingungen im Film widmet.
Wie wäre es, wir würden auf die Arbeit verzichten? Vielerorts macht Arbeit ja doch nur Arbeit und keinen Sinn. Und außerdem ist für Arbeit kein Geld mehr da. Das verbrauchen andere (unsere Banken kosten Milliarden). Auch scheint an ihr niemand Interesse zu haben. Wir wären dann wieder JägerInnen und SammlerInnen, jeder für sich und, modern ausgedrückt, in seiner Bezugsgruppe. Aber dann kam die Entfremdung und Karl Marx konstatierte: an Deiner Arbeit verdienen Andere. Nicht der Arbeitende hat das Sagen, sondern der am meisten an der Arbeit Anderer verdient. Die Perversität von „Arbeit macht frei“ wurde nicht umsonst am Anfang des 20. Jh. kreiert. Die letzten Entwicklungen in Bank, Börse und Arbeitsmarkt zeigen, Arbeit und Kapital befinden sich in einem Kriegzustand.
Viele arbeiten, wenige verdienen, das macht 25% Rendite. Mir scheint, es verdient sich nur noch in der Chefetage, in systemrelevanten Banken, als Lobbyist, in der Politik, also überall, wo man sich seine Gage selbst oder gegenseitig festsetzt. Ansonsten hat die Arbeit gegenüber dem Kapital ja verloren, denn das arbeitet im Zinssystem viel effektiver. Leider wurde die Zerstörung der Ressourcen noch nicht kalkuliert. Wer arbeitet, hat immer seltener ein Auskommen. Arbeiten in Deutschland ist ungerecht geworden.
Arbeit ist ein Kostenfaktor. Auf der einen Seite darf sie nichts kosten darf, auf der andere kostet sie viel Geld. Zum Beispiel wird einen zeitlich begrenzten Teilzeitjob, sagen wir mit einem Stundenlohn von 6,00 Euro eine Vermittlungsgebühr von 1200,00 Euro kassiert. Für einige ist der Arbeitsmarkt, also der Handel mit Arbeit, ein Riesengeschäft. Entlassungen sind gut für den Börsenwert eines Unternehmens im Spekulationsmodell.
„Wo steckt das Geld. Irgendeiner muss es haben“, fragte schon Andy Warhol. Die allgemein verfügbare Geldmenge schrumpft. Und so gibt es wieder weniger Geld. In Bildung und Kultur wird wieder gespart, usw.. Übrigens gibt es keine Partei, die einen Masterplan Kultur aufzuweisen hat. Es bleibt beim Wegsparen.
Ich erinnere mich an ein Kabarettstück von einer Kollegin, Ruth Spichtig. Das ist nun schon 10 Jahre her, aber immer noch aktuell. Ruth schrieb eine Art Bewerbungsgespräch, und das ging ungefähr so: „Also, wenn Sie den Job hier wollen, dann müssen Sie schon was bieten. Nur arbeiten, das kann ja jeder. Haben Sie vielleicht eine Erbschaft gemacht oder was können Sie hier noch einbringen?“ Den Job bekam dann Boris Becker. Es zählt eben der Marktwert, auch in der Kunst. Und daher ist Boris Becker die ideale Besetzung für vieles.
Also jetzt stell Dir mal vor, es gibt Arbeit aber keiner geht hin (in Abwandlung des bekannten Spruchs von Carl Sandburg) …
Frau Merkel, wenn Sie nicht nur eine Kanzlerin des Kapitals sein wollen, sonder die aller Deutschen, dann schreiben Sie es sich hinter die Ohren: wir sind mehr wert!
Weiteres auf Spreerauschen:
Arbeitsmarkt Deutschland: Bankrotterklärung in einem der reichsten Länder der Welt
Und die Premiere vom Spot:
Freitag, 19.2.
um 19.00 Uhr
vor dem Cubix
am Alexanderplatz
Schlagworte: Arbeitsbedingungen