Auszüge Rezension Poesiekonzert: 20 Jahre zurückgeschaut – Mit Rockmusik und Texten

Zum Motto “Die fortschreitende Begradigung des Flusses” erlebten die Besucher am Sonnabend ein beeindruckenden Rückblick auf den DDR-Staat…Im Festsaal stand ein Podium für die Sprecherin Malah Helman aus Berlin, für den  Schauspieler Ralph Hensel vom Bautzener Theater und Thomas Gust, Musiker und DJ, geboren in Bautzen, arbeitend in Berlin… An den Seiten lenkte eine Diawand mit Blick auf das Bautzener Thälmann-Denkmal (abgerissen) und gegenüber eine Bananenkistenwand die Blicke auf sich. Eine Mauer gar? Novemberblues keinesfalls, wie sich herausstellen wird…  Lyrik, Musik und Zeitzeugenprotokolle von 1989 wollen Sehnsucht nach Veränderung, nach einer besseren Gesellschaft spiegeln… Eine Collage der Zeit vor der Wende wird auf den Besucher wirken. Stark verdichtet, herausfordernd scharf, dabei nachhaltig im Duktus.

Texte von Kito Lorenc, Jens Gerlach, Reiner Kunze, Heinz Kahlau, Günter Kunert, Bertolt Brecht und vielen anderen DDR-Autoren fließen wie Flüsse in ihrer Bahn. Sie erregen, sind schnell, allzu schnell vorbei. Agitieren hart. Das Wortspiel um Macht “Wer mitmacht, hat mitmacht” will durchdacht sein. Gar vieles scheint unbekannt, vergessen, verdrängt. Die Musikeinspiele kommen von den DDR-Gruppen Renft, Electra, Biebl, den Puhdys oder der Horst Krüger Band. Mit Sorgfalt sind sie ausgewählt und wie die Bayon-Suite von poesie geprägt oder streng in “Flüsse und Tränen”… Wo schliesßlich Volker Brauns Heidegedicht und Puhdys “Türen öffnen sich zur Stadt” die Spannung lösen, die Künstler die Bananenkistenwand durch die geöffneten Türen tragen.

Sächsische Zeitung, Christa Vogel, 10.11.2009

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