Auswertung der Kommentare der Studie zur “Wirtschaftlichen, sozialen und arbeitsrechtlichen Lage der Theater- und Tanzschaffenden„ des Fonds Darstellende Künste, 2009
„Folgendes Zukunftsszenario weiterdenken: Was wäre, wenn all die kreativen Selbstausbeuter der freien Musik, Theater und Tanzszene schlagartig aufhören würden, (…) zu arbeiten und zu produzieren? Was bliebe übrig, wenn sich die deutsche Kultur ausschließlich über die ‘Hochkultur’ definieren würde?“*
Knapp 2500 von 4100 Teilnehmern der Studie nutzen die die Gelegenheit, sich mit Kommentaren persönlich zur Frage: „Welches Thema der Theater- und Tanzschaffenden sollte nach Ihrer Auffassung unbedingt auf die kulturpolitische Agenda gesetzt werden? zu äußern.
Trotz der begrenzten Anzahl der Zeichen (300) wurden in über 70 Prozent mehrere Themen angesprochen. Hauptthemen sind:
• die Arbeitsbedingungen,
• gefolgt von Hinweisen und Vorschlägen zu Förderstrukturen,
• Statements zur Kulturpolitik,
• Notwendigkeit kultureller Bildung,
• eine qualitätsvolle und praxisbezogene Ausbildung und Perspektiven Weiterbildung um im Arbeitsmarkt flexibel zu bleiben,
• sowie zu “Netzwerken und Plattformen” und der Rolle der Medien.
Die dabei angesprochenen Probleme sind größtenteils unabhängig vom Beruf, Alter und Geschlecht, sondern zeigen vielmehr, dass es sich hierbei um die Mehrheit der Theater- und Tanzschaffenden betroffen ist.
1. Thema Arbeitsbedingungen: „permanente Überforderung“
Als „permanente Überforderung“ bezeichnet ein Kommentar die Situation, den hohen organisatorischen Arbeitsaufwand, die künstlerische Schöpfungsleistung, die ständige finanzielle Unsicherheit und die für die künstlerischen Berufe oft sehr schwierigen Bedingungen in der Sozialversicherung. Die darstellenden Künstler_innen sind kreativ, innovativ und engagiert. Sie arbeiten viel, sind aber permanent unterbezahlt oder ihre Arbeit wird überhaupt nicht mehr honoriert und findet unter dem Begriff „Ehrenamt“ statt. Die Künstler_innen fragen sich, warum es für in ihrem Berufsfeld keine Sozial- und Mindeststandards gibt.
Die freischaffenden Schauspieler_innen, Sänger_innen, Tanzpädagog_innen, Regiesseur_innen, Bühnenbildner_innen, u.w. wünschen sich Mindestlöhne, um dem Lohndumping eine Grenze zu setzen, sie wünschen sich eine adäquate Honorierung ihrer Leistung, ihres Einsatzes, ihrer Arbeitszeit, ihrer Ideen, ihres gesellschaftlichen Werts. Faire Honorare, von denen man leben kann, ohne sich ständig weit unterhalb der Armutsgrenze bewegen zu müssen. Sie fragen sich, warum sie trotz ihres hohen Arbeitseinsatzes und ihrer Flexibilität von der Arbeitslosenversicherung ausgeschlossen sind, obwohl einige von ihnen durchaus während ihrer Gastverträge die Beiträge entrichten, ohne aber auf die notwenigen Beitragszeiten der in im Zuge der „Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ verkürzten Rahmenfrist zu kommen.
Die „Hartz-Gesetze“ und der veränderte Arbeitsmarkt (noch weniger stellen, noch niedrigere Honorare, deutlich geringere Fördermittel, kürzere oder nur teilweise honorierte und saisonale Produktionszeiten) lassen die Kunstschaffenden aus dem Sozialversicherungssystem fallen. “Hartz IV ist die Basisförderung für Künstler.”, bilanzierte ein Kommentar.
- Forderungen
Angemessene Honorare,
eine Regelung die eine Absicherung in der Arbeitslosenversicherung erlaubt,
eine Rente, die einem harten und engagierten Arbeitsleben entspricht,
sowie eine grundsätzliche Versicherungsmöglichkeit in der Künstlersozialkasse sind für die Kunst- und Kulturschaffenden ein existenzielles Bedürfnis.
Da bedingungslose Grundeinkommen wurde ebenfalls als Möglichkeit genannt, um Kunst und Kultur unter den aktuellen Gegebenheiten zu realisieren.
Auch die künstlerischen Mitarbeiter an Stadttheatern, fragen sich, warum sie zu wesentlich schlechteren Konditionen arbeiten als das Personal in der Administration und Technik und viele Solisten schlechter gestellt sind als das Orchester oder der Chor. Auch ist überhaupt nicht einzusehen, warum das Personal der Stadttheater im Rahmen der aus knappen Finanzen geschlossenen Hausverträge seit Jahren auf eine Anhebung der Gagen (der NV Solo weist seit 2002 eine Gage von 1550, 00 Euro netto aus), Urlaubsgeld, 13. Gehalt, etc. dauerhaft verzichten soll.
- Eine Offenlegung und Angleichung der Tarifstrukturen und ein Gagenraster sind notwendig.
Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, Gesundheit- und Arbeitsschutz sind weitere wichtige Themen der künstlerischen Berufe, die Abends, am Wochenende und an Feiertagen arbeiten und deren Leistungen mit denen von Hochleistungssportlern durchaus vergleichbar sind.
In den Arbeitsbedingungen, egal ob freischaffend, fest, oder am Privattheater, herrscht ein echter Notstand und ein Handlungsbedarf mit grundsätzlichen und grundrechtlichen Regelungen durch die Politik ist dringend gefordert. Es kann nicht sein, dass mit öffentlichen Geldern aus Steuermitteln geltende Sozialstandards unterlaufen werden.
„Anerkennung der künstlerischen Arbeit und ihres Werts.“
„Kreativität ist heute kein Luxus mehr, sondern eine Notwenigkeit um die neuen Probleme der Welt zu lösen.“
„Unterbezahlung bei enormem Arbeitspensum.“
„Die Tatsache, dass Einzelkünstler, Solisten, Freischaffende am stärksten unter den Sparzwängen der Theater leiden.“
„Das drastisch sinkende Gagenniveau in Bezug zum wirklichen ideellen, zeitlichen und kreativen Arbeitsaufwand – besonders im Hinblick auf die “jungen” Kollegen egal welcher Sparte. Während die “alten Säcke” weiter ihre exorbitanten Gagen aus dem goldenen Theaterzeitalter kassieren, wird der Nachwuchs gefleddert.“
„Durch die horrenden Kürzungen der Subventionen sind die Theater gezwungen mit immer weniger Personal auszukommen. Das Arbeitsvolumen steigt, die Bezahlung sinkt. Auch die Qualität des Kunstprodukts leidet.“
„Bezahlte Stellen schaffen, denn die Arbeit ist da.“
„Gastverträge versus Festverträge, denn viele Theater engagieren ihre Künstler nur noch mit Gastverträgen, um jeglicher Verantwortung aus dem Weg zu gehen – nach dem Motto ‘nach dem Stück sind wir sie ja wieder los’.“
„Überarbeitung des NV-Solo-Vertrags an deutschen Bühnen. So, wie der Vertrag jetzt ist, ist er eine Einladung für Intendanten, ihre Angestellten bis auf’s Blut leer zu saugen – und viele tun das auch: Zwei Jahre arbeiten, dann kommen die nächsten jungen Kollegen, die das wieder zwei Jahre mitmachen.. Gilt für Arbeitsbedingungen allgemein..“
„Für die Angehörigen der Altersgeneration (…) wird der Raum auf den offiziellen Spielplätzen der zeitgenössischen Tanzszene immer „enger“.
„Älterwerden und trotzdem freie Theaterarbeit – wie kann das gehen?“
„Trotz bester Ausbildung, besten Kritiken und langjähriger Bühnenerfahrung ist es mir und vielen meiner Kollegen nicht mehr möglich den Lebensunterhalt ohne Unterstützung seitens der ARGE zu bestreiten. Die Honorare sind zu gering. Nebenjobs gibt es kaum. „
„Berücksichtigung der speziellen Bedingungen bei Neuerungen im Gesetzesbereich. Oftmals bekommt man das Gefühl, dass unsere Berufsgruppe nicht existiert oder unwichtig ist.“
„Eine Zwangsabgabe für Internet-Anschlüsse zu Gunsten der Urheber!!“
„Fahrendes Volk = Unterstützung der Fahrtkosten.“
2. Thema Förderungen: “eine ehrliche Strukturdebatte ist überfällig”
Die Fördermittel sind wesentlich gesunken. Bei den Künstler_innen kommt wenig an. Die Projekte sind unterfinanziert.
Das Stadttheatersystem ist einiger Kritik ausgesetzt. Nicht nur die freien Theaterschaffenden kritisieren den in sich abgeschlossenen Kreis der Stadt-, Landes- und Staatstheater, auch intern wird Kritik an den Hierarchien und Strukturen, den Themen und Formen, der Besetzungspraxis und Qualifikation der Leitung deutlich.
Der Erhalt und Ausbau der vielfältigen und gewachsenen deutschen Theaterlandschaft ist ein großes Anliegen. Wie und wo kann Theater im 21. Jh. stattfinden? Eine Auseinandersetzung hierüber sollte geführt werden. Öffnung und Austausch zwischen den Systemen schlugen viele (freie) Theater- und Tanzschaffende vor.
- Forderungen
Mehr Geld für die Künstler_innen und Projekte (insbesondere für die freie Szene und auf der Ebene der Länder und Kommunen, weniger “Leuchttürme”),
mehr Fördervielfalt, transparente Entscheidungen, wechselnde Jurys, schnelle und unbürokratische Fördermöglichkeiten kleiner Vorhaben, explizite und verstärkte Künstlerförderung, Förderung der Theater- und Tanzschaffenden aller Sparten und Entwicklungsphasen, verschiedene Förderansätze (u. A. auch für Recherche, und mehr prozessorientiertes Arbeiten und Raum für Experimente, langfristige Ensemblearbeit, Technikpools, gemeinsame Grundausstattung, Büro- und Probenräume und Aufführungsorte für freie Gruppen), vereinfachte Antragstellung in punkto Fristen, Aufwand und Koordination der Anträge, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit sind dringliche Anliegen.
Auch eine inhaltliche Debatte wurde angerissen. Nicht nur eine Diskussion über Theaterformen, sondern auch gesellschaftlich relevante Inhalte wurden neben Kunstfreiheit und Alltagskunst und einer Erweiterung der großen Sparten um Kabarett, Straßentheater u. A. gefordert.
Es wurde festgestellt, dass um eine Förderung beantragen zu können, müssen die Antragsteller eine erhebliche Vorarbeit leisten. Die Jury wählt also aus einem Angebot aus, dass auch erst einmal zu Verfügung gestellt werden muss, ohne dass es unbedingt zu einer Förderung kommt. Die Theaterschaffenden stellen hier ihre Arbeitskraft und Infrastruktur zu Verfügung. Die jeweilige Förderung und auch die betreffenden Institutionen und Orte profitieren erheblich von diesem Modell ohne dabei die Kunstschaffenden unterstützen zu müssen.
„Kunst lässt sich in keine Form pressen. Kunst ist Veränderung.“
„Wie können innovative Milieus unterstützt werden?
Welche Bedingungen braucht kreative Arbeit?“
„Wie ist eine unabhängige, freie, auch politisch unbequeme und qualitativ hochwertige Arbeit zu gewährleisten?“
„Diskurse führen über die zunehmende Ökonomisierung des (…) Theaters. Man bekommt doch eigentlich genau deswegen Subventionen um sich eben vom Markt freimachen zu können und künstlerische Freiheit zu haben.“
„Viel mehr das kreative Potential der unabhängig arbeitenden Künstler Kreativen in der Öffentlichkeit benennen und anerkennen, in diesem Zusammenhang ENDLICH den Begriff “Freie Szene” aus dem Sprachgebrauch streichen, die alten Zeiten sind vorbei!!!„
„Berlin dünnt seine Mittel aus, macht seinen Künstlern das Leben schwer, wirbt aber gleichzeitig mit seiner breiten Kulturlandschaft, und produziert gefällige Hauptstadtkunst.“
3. Thema Politik: “Kunst ist Lebensmittel”
Die Theaterschaffenden vermissen kompetente und nachhaltige Entscheidungen in der Politik. Welchen Stellenwert haben Kultur und die Kulturschaffenden in der Gesellschaft? Vergleicht man die öffentlichen Ausgaben für Kultur mit anderen Bereichen, so lässt sich sagen, dass diese nur einen marginalen Stellenwert einnimmt. Wie viel von den bereitgestellten Mitteln bei den Künstler_innen selbst ankommt, steht noch mal auf einem ganz andern Blatt.
Die Theaterschaffenden fragen sich, was die vielen Einsparmassnahmen der letzten Jahre eigentlich gebracht haben und fordern hierzu eine Diskussion. Feststeht, dass die Mittel für Kultur seit 2001 kontinuierlich sinken und zwar insbesondere auf kommunaler und regionaler Ebene. Der Bund steigerte zwar die Kulturausgaben, diese kommen aber den so genannten „Leuchttürmen“ zu Gute.
Die Tanz- und Theaterschaffenden nervt, dass Kultur mit den üblichen betriebswirtschaftlichen Kategorien und Simplifizierungen gemessen wird. Obwohl inzwischen ganz klar ist: Kunst und Kultur sind Mehrwert. Eine progressive Gesellschaft braucht Kultur. Kultur, insbesondere die „freie Szene“, die Vielfalt und das kreative Potenzial der Kulturschaffenden ist eine echte Chance für die sich verändernde Gesellschaft.
Kunst und Kultur haben erheblichen Einfluss auf die Attraktivität und Lebensqualität eines Standorts, sind gut für Tourismus, Gastronomie, Immobilienwirtschaft, etc.. Daher ist zu überlegen, wie hier ein Ausgleich geschaffen werden könnte. Die Einführung eines Kultureuro oder einer Kunstgebühr wurde angesprochen.
- Forderungen
Diskussion: was haben die Sparmaßnahmen gebracht?
Mehr Kultur, mehr Vielfalt, wesentlich mehr Gelder für Kultur,
Kultur als Staatsziel und
Einbeziehung der von Kultur profitierenden Wirtschaft.
„Berlin profitiert weltweit von den vielen tollen Künstlern, behandelt uns aber wenn es um Arbeitsbedingungen geht wie den letzten Dreck… wir sind fürs Image gut, aber Arbeiten müssen wir am Rande, ohne Geld. Das finde ich sehr demütigend.“
„Lasst uns ihnen (den Politikern und anderen Ignoranten) zeigen, wie unentbehrlich wir sind.“
4. Kulturelle Bildung: „Eine Gesellschaft, die nicht in Kunst & Bildung investiert ist eine “tote” Gesellschaft.“
Kultur und Bildung sind die wesentlichen Grundlagen einer Gesellschaft. Daher ist auch die kulturelle Bildung zentral. Hier sehen die Theaterschaffenden noch viel mehr Möglichkeiten und Potenzial, um die Kultur in alle Bereiche des Lebens, Schule, Jugend- und Erwachsenenbildung, zu tragen. Kulturelle Bildung kann allerdings nicht die soziale Schieflage verdecken, noch auflösen, oder ist zur Beschönigung gedacht. Viele Projekte basieren auf der Selbstausbeutung der Künstler_innen. Als kritisch wird gesehen, dass die künstlerischen Tätigkeiten durch theaterpädagogische Projekte, die notgedrungen zur Finanzierung des Lebensunterhalts nötig sind, Zeit und Energie vom künstlerischen Schaffensprozess wegnehmen.
- Forderungen
Auch für die Kulturelle Bildung sollten Konzepte entwickelt und Förderungen ausgebaut werden (ohne dabei die Förderungen für Kunst und Kultur abzubauen).
„Kulturelle Bildung in Schulen. Wie geht es dem kulturellen Angebot in der Peripherie?“
„Für einen gesunden Erwachsenen gehört die Reflexion über das Menschsein in Form von darstellender Kunst zum Alltag. Schon für Kinder sollte die Selbstverständlichkeit der Verdichtung des eigenen Daseins zur Grundausbildung gehören, und nicht den Sachzwängen des Erwachsenen-Alltags zu Opfer fallen.“
„Zuschauer- und Nachwuchsförderung: Theater & Kunst erleben lernen sich selbst und seine Mitmenschen erfühlen, erkennen, respektieren/tolerieren.“
„Künstlerische Arbeit ist persönlichkeitsbildend und intelligenzfördernd. Es ist die wichtigste Grundlage unserer Kultur und muss daher viel mehr in der Erziehung und an den Schulen gefördert werden.“
5. Aus und Weiterbildung: „zu viele verkrustete Strukturen“
Es wird eine qualifizierte und praxisorientierte Ausbildung gewünscht. Dabei sollen theoretische, philosophische und zeitgenössische Aspekte und Themen (z.B. Medientheorie) nicht zu kurz kommen. Aber auch eine Orientierung zur Unterstützung zur Umsetzung eigener Projekte, in Organisation und Öffentlichkeitsarbeit, ist von Bedeutung. Eine Aufklärung über Arbeitsbedingungen, Rechte, Steuern, etc. ist wichtig. Mangels langfristiger beruflicher Perspektive und dem schwierigen Berufseinstieg sind schon Dreißigjährige zur Umschulung gezwungen. Daher ist Umschulung und Weiterbildung ein zentrales Thema für Kreative in ihrem ständigen Schaffensprozess und um, in einer sich ständig verändernden Gesellschaft, um am Arbeitsmarkt flexibel zu bleiben. Entsprechende und günstige Weiterbildungsangebote sollten daher auch im weiteren Verlauf der beruflichen Entwicklung möglich sein. Speziell aus dem Schauspieler- und Tänzerberuf kommt der Wunsch nach einer Schützung des Berufs und nach Umschulungsmöglichkeiten im Alter.
- Forderungen
Einrichtung informelle und praktische Module zu Arbeitsweisen und Möglichkeiten des Arbeitens in der freien Szene einzurichten und die Einbindung interdisziplinärer Projekte. Informationen zu Arbeits- und Urheberrecht, zur sozialen Absicherung, die Förderstrukturen in Bund, Land, Kommune und auf europäischer Ebene, Buchhaltung, Management, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit, PC Kurse, Ton/Videoschnitt, Internet, Foto und Gestaltung, u.A.).
ZAV und Künstlerdienste sind zu evaluieren und im Kontext des sich verändernden Arbeitsmarkts auszubauen.
Die Entwicklung von Umschulungsmöglichkeiten im Alter (speziell für Tänzer_innen, ggf auch weitere künstlerische Berufe) muss vorangetrieben und gefördert werden.
Welche Schritte müssen künstlerisch (Ausbildung) (…) heute eingeleitet werden, damit es 2020 noch ein Theater gibt?“
„Werden an den staatlichen Hochschulen und privaten Instituten noch Künstler ausgebildet? Oder nur funktionierende Handwerker?“
„Stärkere Anbindung des Studiums an das Berufsleben.“
„Schaffung von Qualifikationsmöglichkeiten.“
6. Netzwerke und Plattformen: „leicht zugängliche Netzwerke“ und „mehr Plattformen (auch spartenübergreifend)“
Mehr Austausch und Vernetzung zwischen den Sparten, den Stadttheatern und der freien Szene, den Spielorten und den freien Theaterschaffenden, kommunal, regional, bundes- und europaweit, zwischen den einzelnen Künstler_innen und dem Publikum, für den Austausch von Technik und Infrastruktur, ist nötig. Sowie Präsentationsmöglichkeiten und Foren in virtuellen und realen Räumen, um den Freischaffenden medienunabhängige und kostengünstige Aufmerksamkeitszonen zur Verfügung zu stellen. Hierfür gilt es Strukturen zu entwickeln und zu fördern, die dies möglich machen.
Ebenfalls ein Thema ist die Vernetzung und Lobbybildung der Künstler_innen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die als mangelhaft begriffen wird.
- Forderungen
Vernetzung aller Akteure auf lokaler Ebene
Vernetzungshilfen für die freie Szene
„Es reicht nicht gut zu sein, wenn die Kontakte, Präsentationsmöglichkeit, Aufmerksamkeit, Etats für Öffentlichkeitsarbeit fehlen.“
„Es gibt zu wenige Foren für Künstler, wo man Erfahrung sammeln oder sich einen Namen machen kann.“
„StadtLandNetzwerke schaffen für eine auseinander gedriftete Nation: Pollesch in der Stadt und der zerbrochene Krug auf dem Land?“
„Eine Gewerkschaft für Kunstschaffende, sowie in den USA oder in England, wo Mindeststandards in allen Bereichen ausgehandelt worden, die nicht unterlaufen werden können.“
7. Medien: „Und Presse ist kaum zu kriegen, so dass auch Publikumserfolge schwer weiter zu vermitteln sind.“
Die Qualität der Medien wurde äußerst kritisch bewertet. Anliegen und Produktionen der breiten Masse der Kunstschaffenden findet kaum Widerhall in den Medien, deren Fokus auf Stars und Mainstream liegt bzw. diese können sich keine aufwändige und teure Öffentlichkeitsarbeit leisten. Es wurde auch kritisch bemerkt, dass „die Presse indirekt über Förderungen entscheidet.“ Kleine Produktionen haben praktisch keine Chance, wahrgenommen und damit förderwürdig zu werden. Die Theaterschaffenden wünschen sich hier mehr Offenheit und Unterstützung und haben einige Vorschläge gemacht, wie das Aussehen könnte.
- Forderungen
kostenlose bzw. preiswerte staatl. / städt. geförderte Möglichkeiten zur Publikumswerbung für freie Theater und Ensembles (z.B. in regionalen Medien).
Verbreitung auch Freier Tanz und Theater in den Medien (TV, Theaterkanal).
der Schwerpunkt weg von Events, hin zu kleineren Projekten.
“Experimental arts need the public support to compensate lack of economical potential, also promotion support from public media,…”
„Sind freischaffende KünstlerInnen neben den Medien überhaupt noch zum Überleben fähig?“
„Konzentration der Medien und der verantwortlichen Entscheidungsträger auf eh schon Bekanntes und Berühmtes.“
„Der Starkult”, (…) in der Tagespresse (ist) kein thematischer, sondern ein personenorientierter Diskurs).“
“Theater statt Bildschirm – Förderung” zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Medienschädigungen.“
8. Europas Kultur: „Wird Europa kulturell sein, oder wird es nicht sein?“
Die meisten Kommentare zu Europa beschäftigten sich mit den Förderstrukturen. Nur wenige Kommentare stellten die Frage nach einer europäischen Kultur oder hinterfragten die Rolle der Kultur in der EU und den Primat der Wirtschaftspolitik und forderten eine Debatte über eine europäische Kultur.
9. Inhalte, Form und Qualität
Etwa 10 Prozent der Kommentare fanden, dass auch eine Diskussion um Inhalte, Form und Qualität auf die kulturpolitische Agenda gehört. Folgender Kommentar fasst die Hinweise zusammen:
„Welche Bedürfnisse der Gesellschaft sollen durch Theater befriedigt werden? Geht es nur noch um Unterhaltung? Wenn es nicht um Unterhaltung geht, geht es dann nur noch um Bildung? Wie viel Experiment ist noch erlaubt? Wie viel Kunst darf Kunst sein? Wann wird das Theater zum Kunsthandwerk?“
Und folgende Kommentare zeigen die Richtung in der eine neue Kulturpolitik gehen kann.
„RECHT AUF RISIKO, FREIHEIT, MUT, UNTERSTÜTZUNG UND GEISTIGEN LUXUS“
„keep moving – nicht auf der Stelle treten.“
* Alle Zitate sind den Kommentaren entnommen.
im Auftrag des Fonds Darstellende Künste:
Malah Helman, Berlin
April 2009
Text erscheint in der Publikation der Gesamtstudie, der Diskussionsprozesse des Symposiums und weiterer aktueller Texte voraussichtlich imNovember 2009 als Buch.
Schlagworte: Arbeitsbedingungen, Tanz, Theater